Gemeinderatsitzung 29. Oktober 2026

2. November 2026

Wellheim muss sparen – und lehnt ein neues Feuerwehrfahrzeug ab

Marktgemeinderat ringt um die finanzielle Zukunft der Gemeinde – Feuerwehrkommandant warnt vor alterndem Einsatzfahrzeug – Steuererhöhungen abgelehnt – Schülerbeförderung gesichert


Eine Gemeinderatssitzung im Zeichen knapper Kassen


Die Sitzung des Wellheimer Marktgemeinderates am 29. Oktober 2026 im Feuerwehrhaus Gammersfeld machte deutlich, vor welchen finanziellen Herausforderungen die Marktgemeinde steht. Die vorhandenen Rücklagen werden voraussichtlich bis Ende 2027 weitgehend aufgebraucht sein. Gleichzeitig könnten bis 2030 Kreditaufnahmen von insgesamt bis zu sechs Millionen Euro notwendig werden.


Wie schwierig die Entscheidungen unter diesen Voraussetzungen sind, zeigte sich besonders bei der geplanten Ersatzbeschaffung eines Hilfeleistungslöschfahrzeugs HLF 10 für die Feuerwehr Wellheim-Konstein. Obwohl die Regierung von Oberbayern bereits einen erheblichen Zuschuss bewilligt hat und Feuerwehrkommandant Markus Neumann auf die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Ersatzbeschaffung hinwies, lehnte der Gemeinderat die Ausschreibung mit acht gegen fünf Stimmen ab.


Die Entscheidung wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie kann eine finanziell angeschlagene Gemeinde ihre gesetzlichen Pflichtaufgaben erfüllen und gleichzeitig verhindern, dass sie durch weitere Investitionen ihre finanzielle Handlungsfähigkeit verliert?


1: Feuerwehr: Ein 27 Jahre altes Fahrzeug und die Frage nach der Verantwortung


Die Ersatzbeschaffung des HLF 10 war bereits mehrfach Gegenstand von Beratungen. Zwischen den Gemeinderatssitzungen hatten sich die Ratsmitglieder mit den Feuerwehrverantwortlichen getroffen, um die Notwendigkeit einer Neuanschaffung zu besprechen.


Feuerwehrkommandant Markus Neumann erläuterte erneut die Gründe für eine Ersatzbeschaffung. Das vorhandene Fahrzeug ist mittlerweile 27 Jahre alt. Zunehmend machen sich Rostschäden bemerkbar, außerdem werden nach seinen Angaben immer häufiger Reparaturen notwendig.


Neumann verwies auf eine Fachempfehlung des Deutschen Feuerwehrverbandes vom September 2025. Darin wird für Löschfahrzeuge einschließlich Hilfeleistungslöschfahrzeugen eine übliche Nutzungsdauer von zehn bis 25 Jahren genannt. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine gesetzlich vorgeschriebene Austauschfrist.


Der Kommandant sieht sich in der Pflicht


Ein wesentlicher Punkt seiner Ausführungen war die Verantwortung für die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr.

Nach dem Bayerischen Feuerwehrgesetz gehört es zu den Pflichtaufgaben der Gemeinden, ihre Feuerwehren entsprechend den örtlichen Erfordernissen auszurüsten und zu unterhalten.


Neumann machte deutlich, dass er als verantwortlicher Kommandant auf den Zustand des Fahrzeugs und die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Ersatzbeschaffung hinweisen müsse. Damit erfülle er seine Aufgabe gegenüber der Gemeinde.


Die Entscheidung über die Bereitstellung der finanziellen Mittel liegt jedoch beim Marktgemeinderat.

Hier treffen zwei unterschiedliche Verantwortungsbereiche aufeinander: Der Feuerwehrkommandant muss die Einsatzbereitschaft seiner Feuerwehr im Blick behalten. Der Gemeinderat wiederum muss über die Finanzierung entscheiden und dabei die gesamte Haushaltslage berücksichtigen.


Eine Neuanschaffung für mehrere Hunderttausend Euro


Die Vorbereitungen für die Ersatzbeschaffung waren bereits weit fortgeschritten. Die Regierung von Oberbayern hat eine Förderung von 136.565 Euro bewilligt. Ein weiterer Zuschuss des Landkreises Eichstätt wurde beantragt. Dessen endgültige Höhe steht noch nicht fest.


Die Ausschreibung sollte gemeinsam mit der Gemeinde Egweil erfolgen. Dadurch könnten nach den Angaben in der Sitzung rund 30.000 Euro an Kosten für ein Ingenieurbüro eingespart werden.


Im Haushaltsentwurf waren für 2027 zunächst 130.000 Euro und für 2029 weitere 550.000 Euro vorgesehen.

Dennoch blieb die Frage, ob sich Wellheim eine solche Investition unter den gegenwärtigen finanziellen Bedingungen leisten kann.


Unterschiedliche Auffassungen im Gemeinderat


Jürgen Forster (GfW) sprach sich deutlich gegen die Neuanschaffung aus. Seiner Ansicht nach sei das vorhandene Fahrzeug für die Feuerwehr weiterhin ausreichend. Selbst wenn künftig größere Reparaturen notwendig würden, seien diese im Verhältnis zum Anschaffungspreis eines neuen Fahrzeugs wirtschaftlich vertretbar.


Gerade angesichts der angespannten Haushaltslage könne sich die Gemeinde eine derart hohe Ausgabe derzeit nicht leisten.


Alexandra Rödl-Forster (GfW) brachte erneut die Möglichkeit ins Gespräch, ein geeignetes gebrauchtes Feuerwehrfahrzeug zu beschaffen.


Eine andere Auffassung vertrat Daniel Maile (GfW). Er befürwortete die Neuanschaffung und verwies insbesondere auf die langen Lieferzeiten. Zwischen Ausschreibung und tatsächlicher Auslieferung könnten fünf bis sechs Jahre vergehen.


Das bisherige Fahrzeug wäre dann bereits über 30 Jahre alt. Wie sich dessen technischer Zustand bis dahin entwickeln werde, müsse ebenfalls berücksichtigt werden.


Nach intensiver Diskussion lehnte der Gemeinderat die Ausschreibung mit acht gegen fünf Stimmen ab.

Damit ist die geplante Ersatzbeschaffung vorerst gestoppt. Das bisherige Fahrzeug muss weiterhin seinen Dienst leisten.


Die Entscheidung und ihre Folgen


Die Ablehnung bedeutet nicht, dass die Gemeinde von ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Unterhaltung einer leistungsfähigen Feuerwehr entbunden wäre.


Ebenso wenig besteht allein wegen des Alters eines Feuerwehrfahrzeugs eine gesetzliche Verpflichtung zur sofortigen Ersatzbeschaffung. Entscheidend bleibt, ob das vorhandene Fahrzeug technisch sicher und für die erforderlichen Einsätze geeignet ist.


Die weitere Entwicklung wird deshalb davon abhängen, wie sich der Zustand des Fahrzeugs verändert, welche Reparaturen notwendig werden und ob die Einsatzbereitschaft dauerhaft gewährleistet bleibt. Die Entscheidung zeigt zugleich, wie schwierig es für finanzschwache Gemeinden werden kann, selbst notwendige Investitionen in ihre Infrastruktur zu finanzieren.


2: Haushalt 2027: Die finanziellen Spielräume schwinden


Die Haushaltsberatung verdeutlichte, warum der Gemeinderat bei größeren Ausgaben zunehmend zurückhaltend ist. Nach Angaben der Verwaltung kommt der Haushalt 2027 voraussichtlich noch ohne zusätzliche Kreditaufnahme aus. Möglich wird dies allerdings nur durch den Rückgriff auf vorhandene Rücklagen.


Diese werden nach der derzeitigen Finanzplanung bis Ende 2027 weitgehend aufgebraucht sein.

Für die Jahre bis 2030 könnten anschließend Kreditaufnahmen von insgesamt bis zu sechs Millionen Euro erforderlich werden.


Die Verwaltung machte deutlich, dass bereits erhebliche Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung unternommen worden seien. Ausgaben wurden überprüft, Einsparmöglichkeiten ausgeschöpft und auch Personal eingespart. Dennoch reichen die laufenden Einnahmen nicht aus, um sämtliche finanziellen Verpflichtungen dauerhaft zu erfüllen.


Die Gemeinde erwirtschaftet nicht genügend Mittel für ihre Tilgungen


Besonders problematisch ist die Zuführung vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt. Für 2027 sind dafür rund 149.000 Euro vorgesehen. Die ordentlichen Kredittilgungen belaufen sich jedoch auf etwa 201.000 Euro. Damit fehlen rund 52.000 Euro, um die Tilgungsverpflichtungen vollständig aus den laufenden Haushaltsmitteln zu finanzieren.


Diese Differenz muss durch andere Finanzierungsmittel, insbesondere Rücklagen, ausgeglichen werden.

Das ist zwar vorübergehend möglich, kann aber keine dauerhafte Lösung sein. Rücklagen dienen schließlich auch dazu, notwendige Investitionen zu finanzieren und auf unvorhergesehene Ausgaben reagieren zu können. Sind sie aufgebraucht, verliert die Gemeinde einen wesentlichen Teil ihres finanziellen Handlungsspielraums.


Welche Ausgaben sind künftig noch möglich?


Auf Anregung von Gemeinderätin Melanie Pruis-Obel wurde beschlossen, noch vor der nächsten regulären Gemeinderatssitzung eine gesonderte Beratung über weitere Einsparmöglichkeiten abzuhalten. Dabei soll untersucht werden, welche Ausgaben zwingend notwendig sind, welche verschoben und welche möglicherweise ganz gestrichen werden können.


Zur Diskussion stehen auch freiwillige Leistungen der Gemeinde, darunter Zuschüsse an Vereine und Aufwendungen für das Freibad. Hier zeigt sich ein grundlegendes Problem kommunaler Haushalte: Während gesetzliche Pflichtaufgaben erfüllt werden müssen, besteht bei freiwilligen Leistungen grundsätzlich ein größerer Entscheidungsspielraum.


Gerade diese Leistungen tragen jedoch häufig wesentlich zur Lebensqualität und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt einer Gemeinde bei.


Verkauf gemeindeeigener Immobilien wird geprüft


Theresia Asbach-Beringer (FWW) brachte einen weiteren Vorschlag ein. Sie beantragte, die Verkaufschancen mehrerer gemeindeeigener Immobilien zu prüfen. Dazu gehören das Sparkassengebäude, der Bahnhof und die Alte Gemeindekanzlei. Durch eine Ausschreibung beziehungsweise Erkundung des Kaufinteresses soll festgestellt werden, ob sich geeignete Interessenten finden. Der Gemeinderat stimmte dem Antrag mit neun gegen vier Stimmen zu.


Mögliche Verkaufserlöse könnten zum Wiederaufbau finanzieller Rücklagen beitragen. Allerdings handelt es sich bei solchen Erlösen um einmalige Einnahmen. Sie können die finanzielle Situation vorübergehend verbessern, ersetzen aber keine dauerhaft ausreichenden laufenden Einnahmen. Über einen tatsächlichen Verkauf wurde noch nicht entschieden.


3: Keine Mehrheit für höhere Grund- und Gewerbesteuern


Ein weiterer zentraler Punkt der Sitzung war die von der Verwaltung empfohlene Erhöhung der Realsteuern.

Die Verwaltung hatte eindringlich darauf hingewiesen, dass die Gemeinde ihre Einnahmen verbessern müsse, um langfristig finanziell handlungsfähig zu bleiben. Zur Diskussion standen insbesondere eine Erhöhung der Grundsteuer B von 250 auf 350 Prozent und der Gewerbesteuer von 350 auf 400 Prozent.


Nach den in der Sitzung genannten Berechnungen könnten dadurch zusätzliche Einnahmen von rund 50.000 beziehungsweise 60.000 Euro erzielt werden.


Unterschiedliche Vorstellungen im Gemeinderat


In der anschließenden Diskussion zeigten sich erhebliche Meinungsunterschiede. Mehrere Vorschläge wurden zur Abstimmung gestellt, fanden jedoch keine Mehrheit. Schließlich einigte sich der Gemeinderat mit einer knappen Mehrheit von sieben gegen sechs Stimmen darauf, die bisherigen Hebesätze nicht anzuheben.

Damit bleiben die Steuerbelastungen zunächst unverändert.


Für die Gemeinde bedeutet dies allerdings auch, dass die von der Verwaltung erhofften zusätzlichen Einnahmen ausbleiben. Die Frage, wie die strukturellen Finanzierungslücken künftig geschlossen werden sollen, bleibt damit offen.


Der Haushaltsentwurf 2027 wird in der nächsten Gemeinderatssitzung weiter beraten. Ein abschließender Haushaltsbeschluss wurde noch nicht gefasst.


4: Schülerbeförderung Gammersfeld: Eine Lösung ist gefunden


Ein weiteres wichtiges Thema war die Schülerbeförderung der sechs Grundschulkinder aus Gammersfeld.

Hintergrund ist die Neuorganisation des öffentlichen Personennahverkehrs ab Januar 2027. Die künftig eingesetzten Linienbusse können aufgrund ihrer Höhe den Tunnel zwischen Gammersfeld und Wellheim nicht passieren. Deshalb musste eine gesonderte Beförderungslösung gefunden werden.


Bürgermeister Robert Husterer informierte über den aktuellen Stand und kritisierte dabei auch die bisherige Berichterstattung. Die betroffenen Eltern hätten sich nach seiner Auffassung direkt an ihn wenden können.

Er stellte klar, dass die Schülerbeförderung in der Verantwortung der Gemeinde liege. Das Landratsamt Eichstätt habe bei der Suche nach einer geeigneten Beförderungsmöglichkeit unterstützt.


Neues Angebot senkt die Kosten


Noch am Tag der Gemeinderatssitzung ging ein weiteres Angebot eines Beförderungsunternehmens ein.

Dieses sieht einen Preis von 39,69 Euro je Fahrt vor und liegt damit deutlich unter den bisherigen Angeboten.

Bei 180 Schultagen verbleiben nach Abzug der staatlichen Förderung voraussichtlich rund 6.000 Euro jährlich bei der Gemeinde. Das zuvor günstigste Angebot hätte etwa 8.000 Euro gekostet.


Der Flexibus kommt nach Angaben des Bürgermeisters für diese Aufgabe nicht infrage, da er für die reguläre Personenbeförderung benötigt wird.


Diskussion über längere Wartezeiten


Im Gemeinderat wurde auch darüber diskutiert, ob eine gesonderte Mittagsfahrt erforderlich ist.

Nach der eingeholten Stellungnahme der Regierung von Oberbayern können Wartezeiten von etwa einer Stunde für Grundschulkinder unter bestimmten Voraussetzungen zumutbar sein. Voraussetzung ist allerdings, dass eine angemessene Betreuung und Beaufsichtigung gewährleistet wird. Die Schule hatte erklärt, dass betroffene Kinder gegebenenfalls in die offene Ganztagsbetreuung aufgenommen werden könnten.


Letztlich entschied sich der Gemeinderat einstimmig für das neue Beförderungsangebot. Nach Aussage von Bürgermeister Husterer ist die Schülerbeförderung damit ab Januar 2027 gesichert.


5: Neue Forstwege am Dachsberg: Investition soll sich      langfristig auszahlen


Ausführlich beschäftigte sich der Gemeinderat auch mit der geplanten Erschließung weiterer Waldflächen am Dachsberg. Revierförster Josef Kerler erläuterte die wirtschaftlichen und forstlichen Gründe für den Ausbau.

Das betroffene Waldgebiet umfasst rund 22 Hektar. Eine Hälfte wurde bereits 2024 erschlossen. Die damaligen Kosten beliefen sich nach seinen Angaben auf 9.860 Euro.


Seitdem konnte dort Holz mit einem Erlös von 44.322,16 Euro eingeschlagen werden. In der bislang noch nicht ausreichend erschlossenen Waldhälfte stehen nach den Angaben des Revierförsters in den kommenden Jahren weitere 1.048 Festmeter Holz zur Nutzung an. Daraus könnten Einnahmen von rund 50.000 Euro erzielt werden. Auch darüber hinaus seien langfristig weitere Holzerlöse zu erwarten.


Waldwege als notwendige Infrastruktur


Kerler machte deutlich, dass die Wege nicht nur für den Abtransport des Holzes benötigt würden. Sie seien ebenso wichtig für Pflanzungen, Pflegearbeiten und die langfristige Bewirtschaftung des Waldes. Der Wald müsse zukunftssicher gemacht werden. Forstwege seien deshalb eine Investition in die Zukunft, vergleichbar mit anderen Infrastrukturmaßnahmen.


Geplant sind 1.130 Meter Forstwege und 1.146 Meter Rückewege. Die kalkulierten Ausbaukosten betragen rund 161.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Bei einer Förderung von 80 Prozent verbleibt nach den in der Sitzung genannten Berechnungen eine Belastung von rund 60.000 Euro einschließlich Mehrwertsteuer für die Gemeinde.


Bedenken wegen des Urdonausteigs


Melanie Pruis-Obel gab zu bedenken, dass durch den Ausbau ein Teil des bislang prämierten Wanderwegs Urdonausteig betroffen sei. Sie befürchtete, dass dessen Auszeichnung durch die Veränderungen gefährdet werden könnte.


Nach Abwägung der Argumente stimmte der Gemeinderat dem Ausbau mit zehn gegen drei Stimmen zu.

Damit wurde eine weitere Investition beschlossen, von der sich die Gemeinde langfristig wirtschaftliche Vorteile verspricht.


6: Kindergarten Burgwichtel: Positive Entwicklung bei den Finanzen


Eine erfreuliche Entwicklung konnte Regina Schneider, Bereichsleiterin Kinder und Jugend beim BRK-Kreisverband Eichstätt, vorstellen. Das BRK ist Träger der Kindertageseinrichtung Burgwichtel in Wellheim.

Derzeit besuchen 82 Kinder über drei Jahren und elf Kinder unter drei Jahren die Einrichtung.


Schneider stellte den Haushaltsentwurf für 2027 mit einem Gesamtvolumen von rund 1.185.950 Euro vor.

Nach den Berechnungen wird für das kommende Jahr ein Überschuss von etwa 1.800 Euro erwartet.


Elternbeiträge bleiben stabil


Besonders erfreulich für die Eltern ist, dass die monatliche finanzielle Belastung für Kindergartenkinder trotz des vorgesehenen Wegfalls des staatlichen Elternbeitragszuschusses von 100 Euro nicht steigen soll.

Für den Krippenbereich wurden Senkungen der Beiträge um zehn beziehungsweise 15 Prozent ins Gespräch gebracht. Beide Vorschläge fanden jedoch keine Zustimmung im Gemeinderat.


Dem vorgelegten Haushalt der Kindertageseinrichtung stimmte der Marktgemeinderat einstimmig zu.

Die positive Haushaltsentwicklung wurde auch von der Verwaltung begrüßt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die angespannte Finanzlage der Gemeinde weiterhin eine konsequente Haushaltsführung erforderlich mache.


7: Keine Zustimmung für Mehrfamilienhaus in Hard


Auch ein Bauvorhaben in Hard stand auf der Tagesordnung. Geplant ist am Berg der Neubau eines Mehrfamilienhauses mit vier Wohneinheiten und acht Stellplätzen. In der Sitzung wurde das gemeindliche Einvernehmen für das Vorhaben nicht erteilt.


8: Sema Akten wird Integrationsbeauftragte


Zur neuen Integrationsbeauftragten des Marktes Wellheim wurde Sema Akten bestellt. Sie hatte sich nach einem entsprechenden Aufruf im gemeindlichen Mitteilungsblatt für die Aufgabe beworben. Weitere Bewerbungen lagen nicht vor.


Der Gemeinderat stimmte ihrer Bestellung mit zwölf gegen eine Stimme zu. Sema Akten übernimmt die Tätigkeit ehrenamtlich. Für die Gemeinde entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.


9: Solarpark Gammersfeld I: Antrag auf Aufgabe der Planung abgelehnt


Gemeinderat Leonhard Mayinger brachte erneut die Planung des Solarparks Gammersfeld I zur Sprache.

Er berichtete, dass er gemeinsam mit zwei Landwirten aus Gammersfeld die vorgesehene Fläche besichtigt habe. Nach seinen Angaben sei die gesamte Fläche mit Drainageleitungen durchzogen. Bei einer Bebauung bestehe die Gefahr erheblicher Beschädigungen dieser Entwässerungsanlagen. Mayinger beantragte deshalb, das Vorhaben aufzugeben.


Die Verwaltung vertrat dagegen die Auffassung, dass die vorhandenen Drainagen im weiteren Bauleitplanverfahren berücksichtigt und entsprechende Schutzmaßnahmen vorgesehen werden könnten.

Auch der Vorhabenträger müsse sicherstellen, dass vorhandene Entwässerungsanlagen nicht beschädigt oder in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Der Antrag Mayingers wurde mit zwölf gegen eine Stimme abgelehnt. Damit wird die Planung des Solarparks weitergeführt.


Fazit: Wellheim steht vor schwierigen Entscheidungen


Die Gemeinderatssitzung zeigte deutlich, dass sich der Markt Wellheim in einer finanziell schwierigen Phase befindet. Die Gemeinde muss ihre gesetzlichen Pflichtaufgaben erfüllen, ihre Infrastruktur unterhalten und gleichzeitig ihre Verschuldung begrenzen.


Während der Ausbau der Forstwege als langfristige Investition beschlossen wurde, fand die geplante Ersatzbeschaffung des Feuerwehrfahrzeugs keine Mehrheit. Auch die von der Verwaltung dringend empfohlenen Steuererhöhungen wurden abgelehnt. Stattdessen sollen weitere Einsparmöglichkeiten untersucht und mögliche Einnahmen aus dem Verkauf gemeindeeigener Immobilien geprüft werden.


Die Diskussion um das Feuerwehrfahrzeug macht das Spannungsfeld besonders deutlich: Der Kommandant muss rechtzeitig auf technische Probleme und mögliche Risiken für die Einsatzbereitschaft hinweisen. Der Gemeinderat muss darüber entscheiden, welche finanziellen Mittel bereitgestellt werden können.

Mit der Ablehnung einer Neuanschaffung ist die Frage nach der langfristigen Ausstattung der Feuerwehr allerdings nicht endgültig beantwortet.


Wenn das bisherige Fahrzeug weiter altert und die Reparaturen zunehmen, wird sich die Gemeinde möglicherweise erneut mit einer Ersatzbeschaffung beschäftigen müssen. Die entscheidende Herausforderung für die kommenden Jahre wird deshalb sein, die finanziellen Möglichkeiten des Marktes Wellheim mit seinen gesetzlichen Verpflichtungen und den Bedürfnissen der Bürger in Einklang zu bringen.


Die nächsten Haushaltsberatungen werden zeigen, welche Prioritäten der Gemeinderat setzt und welche Einschnitte tatsächlich beschlossen werden.

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Wenn die Ausnahme zum Alltag wird Technische Defekte, Baustellen, Sabotage und menschliche Notlagen zeigen, wie störanfällig der Bahnverkehr sein kann. Nicht jede Unterbrechung lässt sich verhindern. Doch Fahrgäste haben Anspruch auf einen respektvollen Umgang und brauchen transparente Informationen, um selbst entscheiden zu können. „… und wir sitzen in Baar-Ebenhausen wegen Signalstörung fest.“ Diese Nachricht erreicht mich am 16. Oktober per WhatsApp. Der Absender ist selbst betroffen. Während ich meine Erfahrungen einer mühsamen Bahnreise vom Vortag aufarbeite, warten andere bereits auf ihre Weiterfahrt. Eine einzelne Nachricht beweist keinen allgemeinen Trend. Sie fügt sich aber in das ein, was mir Menschen berichten, die regelmäßig mit dem Zug unterwegs sind: Verspätungen, kurzfristige Ausfälle und verpasste Anschlüsse belasten ihren Alltag. Was für Gelegenheitsreisende ein ärgerliches Erlebnis ist, wird für manche Pendler zur dauernden Geduldsprobe. Ich bin selbst häufig mit dem Bayern-Ticket oder dem Deutschlandticket unterwegs. Ich nutze die Bahn bewusst und möchte mich auf sie verlassen können. Gerade deshalb frage ich mich: Warum gerät eine Reise so schnell aus dem Takt? Und weshalb ist es bei einer Störung oft so schwer, eine verständliche Auskunft zu erhalten?
16. Oktober 2026
Ein Tagesausflug nach Ulm wird zur Geduldsprobe – mit Verspätungen, Schienenersatzverkehr, verpassten Anschlüssen und verschlossenen Toiletten. Ein persönlicher Erfahrungsbericht. Eine Reise mit der Bahn ist ein Erlebnis. Nach meinem Tagesausflug nach Ulm bekommt dieser Satz allerdings einen bitteren Beigeschmack. Was als entspannter Ausflug begann, endete mit einer Heimkehr um 23 Uhr. Dazwischen lagen Stunden des Wartens und immer wieder die Frage: Wie kommen wir heute noch nach Hause? Um 11.15 Uhr sollten wir in Ulm ankommen. Tatsächlich wurde es 13 Uhr. Verspätungen und verpasste Anschlüsse hatten schon auf der Hinfahrt fast zwei Stunden unseres Ausfluges aufgezehrt. Zeit, die wir lieber damit verbracht hätten, die Stadt anzuschauen und den Tag zu genießen. Schon der zweite Versuch Genau genommen war es bereits mein zweiter Versuch, mit dem Deutschlandticket nach Ulm zu fahren. Im Juli war die Reise schon in Dollnstein gescheitert: Der Zug kam nicht. Damals entschied ich mich, die geplante Fahrt abzubrechen. Nach den Erlebnissen dieses Tages erscheint mir diese Entscheidung im Nachhinein umso vernünftiger. Dieses Mal wollten meine Frau und ich gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar nach Ulm fahren. Gegen 9 Uhr sollte es in Dollnstein losgehen. Unsere Freunde wollten bereits in Eichstätt zusteigen. Das herrliche Herbstwetter versprach einen wunderschönen Tag, und entsprechend gut war unsere Stimmung. Auch diesmal hatte der Zug zehn Minuten Verspätung. Das konnten wir noch verkraften. Für den Umstieg in Treuchtlingen waren 15 Minuten vorgesehen. Noch bestand also kein Grund zur Sorge. Von Treuchtlingen ging es weiter in Richtung Augsburg. Eigentlich hätten wir in Donauwörth in den Zug nach Ulm umsteigen sollen. Bei unserer Suche im Internet erfuhren wir jedoch, dass zwischen Lauingen und Günzburg Schienenersatzverkehr eingerichtet war. Deshalb entschieden wir uns für die Alternative über Augsburg-Oberhausen. Dort wollten wir nach Ulm umsteigen. Ob mit Ersatzbus oder über Augsburg-Oberhausen: Nach den angezeigten Verbindungen sollten wir Ulm nun um 11.45 Uhr erreichen. Doch unterwegs blieben wir stehen, um einen ICE überholen zu lassen. Die Folge: Als wir in Augsburg-Oberhausen einfuhren, fuhr der Zug nach Ulm am anderen Gleis gerade davon. Wir blieben zunächst sitzen und fuhren bis Augsburg Hauptbahnhof weiter. Für mich wäre es inzwischen auch in Ordnung gewesen, den Tag in Augsburg zu verbringen. Gemeinsam entschieden wir uns aber, doch noch nach Ulm zu fahren. Die Stunde Wartezeit überbrückten wir in einem Café. Der nächste Zug nach Ulm fuhr pünktlich ab. Unterwegs standen wir allerdings erneut etwa 15 Minuten, damit uns zwei ICE-Züge überholen konnten. Was bedeutet das für die Pendler? Während dieser Fahrt gingen mir die Menschen nicht mehr aus dem Kopf, die täglich auf die Bahn angewiesen sind. Für uns stand ein Ausflug auf dem Spiel. Für Pendler geht es um ihren Arbeitsalltag, für Schüler und Studierende um Unterricht, Vorlesungen und Prüfungen. Wie muss es sein, schon morgens auf dem Bahnsteig zu stehen und sich zu fragen, ob man rechtzeitig zur Arbeit kommt? Wie oft kann man erklären, dass wieder der Zug ausgefallen oder der Anschluss davongefahren ist? Selbst wenn Vorgesetzte und Kollegen Verständnis haben: Die Anspannung bleibt. Man selbst muss mit den Folgen zurechtkommen, Termine verschieben und den Tagesablauf neu organisieren. Wer vorsorglich eine Verbindung früher nimmt, bezahlt die Unsicherheit mit zusätzlicher Lebenszeit. Früher aufstehen, länger unterwegs sein, später nach Hause kommen – und trotzdem keine Gewissheit haben, pünktlich anzukommen. Nach Feierabend setzt sich die Sorge womöglich fort: Reicht es noch, um die Kinder abzuholen, einen Arzttermin wahrzunehmen oder eine Verabredung einzuhalten? Besonders hart trifft es diejenigen, die keine Alternative haben. Nicht jeder besitzt ein Auto oder kann bei einer Störung jemanden bitten, ihn abzuholen. Für diese Menschen ist eine zuverlässige Bahn eine Voraussetzung dafür, ihren Alltag bewältigen zu können. Ich musste an meine eigene Schulzeit denken. In den 1960er- und 1970er-Jahren war ich jahrelang für den Schulbesuch auf die Bahn angewiesen. In meiner Erinnerung hatte der Zug nie Verspätung. Es war noch die Zeit, in der man sagte, die Leute könnten ihre Uhren nach dem Zug stellen. Lang, lang ist es her. Damals waren die Deutschen für ihre Pünktlichkeit in aller Welt bekannt. Verwirrende Auskünfte statt Orientierung Die Rückfahrt stellte unsere Geduld noch stärker auf die Probe. Zunächst verzögerte sie sich um zwei Stunden. Dazu kamen am Ulmer Bahnhof verwirrende Auskünfte: Einmal war von einem Stellwerksschaden die Rede, dann von Personen auf dem Gleis. Später hieß es, die Strecke zwischen Ulm und Augsburg sei gesperrt. Auch ICE-Züge standen still. Was genau für unsere Verbindung galt und wie es weitergehen sollte, blieb für uns unklar. Die genannten Ursachen können unterschiedliche Störungen betroffen haben. Für die wartenden Fahrgäste wäre aber eine verständliche Auskunft entscheidend gewesen: Welche Verbindung fährt noch? Wo gibt es Ersatzverkehr? Und wie kommt man jetzt an sein Ziel? Mitreisende, die nach eigenen Angaben regelmäßig auf dieser Strecke unterwegs sind, erzählten, solche Erfahrungen seien für sie längst der Regelfall. Das ist keine statistische Auswertung. Es zeigt aber, wie viel Vertrauen bei manchen Fahrgästen bereits verloren gegangen ist. Natürlich lassen sich technische Defekte nicht immer verhindern. Personen im Gleis erfordern aus Sicherheitsgründen ein Eingreifen. Trotzdem bleibt die Frage, wie gut die Verkehrsunternehmen mit solchen Situationen umgehen. Gerade bei Störungen brauchen Fahrgäste klare Informationen und eine funktionierende Weiterbeförderung. Mit dem Ersatzbus durch die Nacht In Günzburg war mit der Bahnfahrt zunächst Schluss. Umsteigen in den Schienenersatzverkehr. Doch auch der Bus fuhr nicht gleich los. Über eine halbe Stunde stand er, bevor es Richtung Lauingen weiterging. Inzwischen war es dunkel. Irgendwann hielt der Bus an. Eine Durchsage gab es nicht. Fahrgäste stiegen aus, wir Vier ebenfalls. Woher sollten wir wissen, ob wir unser Ziel erreicht hatten? Erst ein ebenfalls ausgestiegener Fahrgast erklärte uns: Das ist noch nicht Lauingen. Wir schafften es gerade noch zurück in den schon wieder anfahrenden Bus. Beinahe wären wir an einem uns unbekannten Ort zurückgeblieben. Fahrgastinformation sieht anders aus. Ein kurzer Hinweis auf den Halteort durch den Busfahrer hätte genügt. Gerade im Ersatzverkehr kann niemand voraussetzen, dass alle Reisenden die Strecke und die Haltestellen kennen – schon gar nicht bei Dunkelheit. Auch ein freundlicher Umgang mit verunsicherten Fahrgästen sollte selbstverständlich sein. Beides kam bei dieser Fahrt aus meiner Sicht zu kurz. Der Busfahrer war weder gesprächig noch auskunftswillig. Kein einziges Wort im Bus war von ihm zu hören. Freundlicher Service schaut anders aus. Wir fuhren weiter durch die dunkle Nacht, in der Hoffnung, irgendwann den richtigen Anschluss zu erreichen. Der Anschluss fährt vor unseren Augen davon In Lauingen erreichten wir den bereitstehenden Zug nach Donauwörth. Endlich wieder auf Schienen. Doch in Donauwörth hieß es erneut umsteigen, diesmal in den Zug Richtung Ansbach. Wegen Bauarbeiten werde sich die Abfahrt verzögern, erfuhren wir durch eine Durchsage. Wieder warten. Und wieder wuchs die Sorge um den nächsten Anschluss, denn in Treuchtlingen mussten wir nochmals umsteigen. Wir merkten: Es wird knapp. Um 21.34 Uhr erreichten wir Treuchtlingen auf Gleis 4. Der Zug Richtung München, der uns nach Dollnstein bringen sollte, stand auf Gleis 2. Wir liefen los, die Treppe hinunter, durch die Unterführung und auf der anderen Seite wieder hinauf. Am letzten oberen Treppenabsatz sahen wir, wie der Zug abfuhr. Ohne uns. Ohne die anderen Fahrgäste, die ebenfalls versuchten, diesen Anschluss zu erreichen. Ausgerechnet jetzt klappte die pünktliche Abfahrt. Nach meinem Eindruck fuhr der Zug sogar etwas zu früh los. Ob das tatsächlich vor der vorgesehenen Abfahrtszeit war, lässt sich aus meiner Wahrnehmung allein nicht sicher feststellen. Sicher ist: Auf uns Anschlussreisende hatte er nicht gewartet. Als der Zug ohne uns davonfuhr, brachen der angestaute Frust und Ärger aus mir heraus. Ich nannte die Bahn alles, nur keine feine Dame. Die Wut musste raus, sonst wäre ich wohl geplatzt. Mein Ärger richtet sich dabei nicht gegen die Beschäftigten der Bahn. Sie müssen die Folgen dieser Misere ebenso ausbaden wie die Fahrgäste und stehen häufig auch noch dem Unmut der Reisenden gegenüber. Meine Kritik gilt vielmehr denjenigen, die über Jahre die unternehmerischen Entscheidungen getroffen haben. Für mich ist es schwer erträglich, mir vorzustellen, dass ehemalige Verantwortliche nach ihrem Ausscheiden durch hohe Boni und Abfindungen finanziell abgesichert sind, während Beschäftigte und Reisende mit den Folgen verfehlter Entscheidungen zurechtkommen müssen. Wer Missmanagement zu verantworten hat, sollte dafür auch Rechenschaft ablegen müssen. Stattdessen drängt sich mir wieder einmal der alte Spruch auf: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Sie sitzen jetzt irgendwo in ihren schicken Villen und genießen ihr Leben in vollen Zügen. Finanziell sind sie ja bestens abgesichert. Besonders bitter: Nach der mir vorliegenden Verbindungsanzeige waren für unseren verpassten Zug später in Ingolstadt Nord zehn Minuten Aufenthalt vorgesehen. Ob diese Zeit betrieblich einen Spielraum zum Warten in Treuchtlingen eröffnet hätte, kann ich nicht beurteilen. Als zurückgelassener Fahrgast frage ich mich trotzdem, weshalb ein kurzes Warten auf die Reisenden aus dem verspäteten Zug nicht möglich war. Seit Jahren hatte ich gefühlt keinen so pünktlich abfahrenden Zug nach München mehr erlebt. An diesem Abend gelang es genau in dem Augenblick, in dem uns nur noch wenige Schritte zum Anschluss fehlten. Hier endete meine Geduld. Ich fühlte mich von der Deutschen Bahn mehr als veräppelt. Was hilft die pünktliche Abfahrt eines einzelnen Zuges, wenn die Reisenden aus dem verspäteten Zubringer zurückbleiben? Für uns zählte, ob wir nach Hause kamen. Eine Stunde warten – ohne offene Toilette Wieder lag eine Stunde Wartezeit vor uns. Diesmal auf den letzten Zug des Tages, der noch in Dollnstein halten würde. Dann zeigte sich das nächste Manko: Wir suchten eine Toilette auf. Alle vier Toiletten waren geschlossen. Ein Hinweis nannte Vandalismus als Grund. Die Blase drückte, doch auch die übrigen Gebäude waren geschlossen. Eine zugängliche Alternative fanden wir nicht. Für die mutwillige Beschädigung von Toiletten sind diejenigen verantwortlich, die sie verwüsten. Für die wartenden Reisenden bleibt trotzdem ein ganz praktisches Problem ungelöst. Wer wegen eines verpassten Anschlusses eine weitere Stunde am Bahnhof verbringen muss, braucht auch Zugang zu einer Toilette. Nach Stunden voller Verspätungen und Umstiege scheiterte es nun selbst an diesem Grundbedürfnis. Wir standen am späten Abend auf einem zugigen Bahnsteig und mussten darauf hoffen, dass wenigstens die letzte Verbindung funktionieren würde. So gewinnt man niemanden für die Bahn Politisch wird der Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel immer wieder als lohnenswert beworben. Nach einem solchen Reisetag klingt dieses Versprechen für mich wenig überzeugend. Wer sein Auto stehen lässt, braucht eine verlässliche Alternative. Er muss darauf vertrauen können, sein Ziel und später auch wieder sein Zuhause in einer einigermaßen kalkulierbaren Zeit zu erreichen. Für mich stellt sich deshalb auch die Frage, welchen Preis wir heute für frühere Sparvorgaben und die zeitweilige Ausrichtung der Bahn auf einen Börsengang zahlen. Eine Bahn ist öffentliche Daseinsvorsorge. Ihr Erfolg muss sich vor allem daran messen lassen, ob Züge zuverlässig fahren, Anschlüsse funktionieren und Fahrgäste bei Störungen weiterkommen. An diesem Tag erschien mir die Bahn wie ein Sinnbild für den Zustand unserer Infrastruktur: Der Anspruch ist groß, doch im Alltag fehlt es an Verlässlichkeit. Die Folgen tragen die Menschen, die darauf angewiesen sind – durch verlorene Zeit, verpasste Termine und die Ungewissheit, wann sie endlich ankommen. Dabei fahre ich mit einem Deutschlandticket. Wie muss es erst Reisenden gehen, die für ihre Fahrt viel Geld für eine reguläre Fahrkarte bezahlt haben und genauso festsitzen? Wer einen hohen Fahrpreis bezahlt, erwartet zu Recht eine verlässliche Beförderung. Die Enttäuschung dürfte umso größer sein, wenn man am Ende ebenfalls auf dem Bahnsteig wartet oder im Ersatzbus sitzt. Eine nachträgliche Entschädigung mag einen Teil des finanziellen Ärgers mildern. Verlorene Lebenszeit gibt sie nicht zurück. Ein versäumtes Treffen, ein verkürzter Ausflug oder Stunden, die man lieber mit seiner Familie verbracht hätte, lassen sich mit einer Erstattung nicht nachholen. Die Verkehrswende entscheidet sich deshalb auch auf Bahnsteigen und in Ersatzbussen. Wer dort stundenlang wartet, wird beim nächsten Mal womöglich wieder den Autoschlüssel nehmen. Für mich ist nach diesem Tag jedenfalls ein Punkt erreicht, an dem ich mein Deutschlandticket ab November nicht mehr kaufen möchte. Ein günstiges Ticket allein reicht nicht, wenn die Reise derart unberechenbar wird. Um 23 Uhr endlich zu Hause Nach einer weiteren Stunde auf dem zugigen Bahnsteig geschah schließlich etwas, das wir an diesem Tag kaum noch erwartet hatten: Der letzte Zug, der in Dollnstein hält, kam tatsächlich. Und er kam pünktlich. Beim Einsteigen begegneten wir einem Mann, der eigentlich nach Nürnberg wollte und ebenfalls bereits eine lange Odyssee hinter sich hatte. Er erzählte, sein Flugzeug aus Portugal sei statt in Nürnberg in Memmingen gelandet. Von dort versuchte er nun, mit der Bahn nach Hause zu kommen. Von Treuchtlingen aus fuhr kein Zug mehr in Richtung Nürnberg, nur noch der Zug nach München war im Angebot. Seine Hoffnung war, mit unserem Zug bis Ingolstadt zu fahren und dort noch den letzten RE1 über Kinding nach Nürnberg zu erreichen. So hatte er es im Internet recherchiert. Ich hoffte für ihn, dass wenigstens dieser Plan aufgehen würde. Mir war, als gäbe es auch auf dieser Strecke gerade Bauarbeiten. Weil ich es nicht sicher wusste, behielt ich die Befürchtung für mich. Zusätzliche Verunsicherung konnte dieser Mann gewiss nicht gebrauchen. Für uns klappte die letzte Etappe. Um genau 23 Uhr waren wir wohlbehalten zu Hause. Die Erleichterung war groß. Doch sie machte den Ärger über diese Heimreise nicht ungeschehen. Dieser Tag wird mir lange in Erinnerung bleiben. Ulm war die Reise wert. Die Rückfahrt war eine Zumutung. Was bleibt, ist das Gefühl, sich als Fahrgast von Verbindung zu Verbindung allein durchschlagen zu müssen. Was machen Fahrgäste, die nicht mit einem Handy ausgestattet sind? Solche gibt es noch genügend. Mir fällt ein alter Spruch ein: „Die Bahn fährt immer.“ Nach diesem Tag möchte ich ergänzen: Stimmt. Die Frage ist nur, wann.
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